terra fluida

naturcultures at the intersection of infrastructures, material

processes and hybrid ecologies 

Schinkel Prize 2021- AIV Berlin

- Landscape Architecture & Urban Design

with M. Hehlke 

- a radical approach for the integration of anthropocene aesthetics and material processes into urban spaces!

West.Markt 2035+. Verwoben. Dynamisch. Produktiv. Geerdet
Wir sind in der Terra Fluida angekommen.

Der West.Markt hat sich als Ort der Produktion, als Landschafts- und Flussraum, als Klima- und Habitatrefugium in die Stadt (re)integriert. Seine weitreichenden stofflichen Verknüpfungen und Strukturen werden erlebbar und fühlbar. Als hybrider Stadtraum öffnet sich das Areal für die Öffentlichkeit und zelebriert mit seinen hybriden Infrastrukturen und verwobenen Naturkulturen die metabolischen Prozesse Berlins.

Die Terra Fluida zeugt davon, wie sich logistische Anforderungen an Prozesse und Abläufe verändert haben, wie Funktionen und Prozesse gestapelt werden können. Der West.Markt wird aufgeladen und verknüpft über neuartige und raue Naturbilder, wiederentdeckte und aktivierte Uferlinien und fluide Verknüpfungen von Wasser, Land und Luft. Mit der neuen Agora, ihren Markt- und Experimentierräumen und dem Baulager und den Wasser.Laboren, den stofflichen Schnittstellen der Terra Fluida, übersetzt der West.Markt radikale Kreislaufwirtschaft und hybride ökologische Systeme in die Grundstrukturen und Prozesse eines produktiven und interaktiven Stadtraumes.
Geologie als Programmierung einer produktiven Zukunft _von linien, buchten und sequenzen

Aktuell befindet sich der Großmarkt in einer Insellage, gefangen zwischen Bahngleisen, Kanalbett und der Beusselstraße. Die bestehende Topografie und verkehrliche Trennung manifestiert diese räumliche Separation. Die Entwurfsstrategie setzt daher an der Frage nach der Verortung und Verankerung des Großmarktes und des Westhafens an. Kann man ihn neu denken in der Stadtstruktur? Als Landschaftsraum? Als öffentlicher Raum, wo stoffliche Prozesse erlebbar werden? Bis wohin wirkt er? Als verbindendes Element? Den Hafen und den Markt zusammen denken? Als interaktiver und verwobener West.Markt?

Entlang von drei identifiziertem Haupt.Linien, dem Kanal, der Bahn und dem Nordufer wird eine Taktik und Strategie für aufgeladene und verdichte Landschafts-Infrastrukturen-Sequenzen für einen verknüpften West.Markt herausgearbeitet.
Die tiefen geologischen Spuren des Ortes dienen hierbei als Leitlinien in der Aktivierung und Verknüpfung der Ufersysteme. Die verdeckten Torfsande werden als aktives Erbe verstanden. Entlang des Kanals wird aus diesen geologischen Einschreibungen die produktive Palimpsest.Linie entwickelt. Hier entsteht der raue und interaktive Uferpark (dichtes Baummotiv, schroffe Uferkanten) mit Macher.Höfen und Laboren und produktiven Plug-Ins herausgearbeitet. In Anlehnung an die geologischen Spuren werden die sogenannten Buchten entwickelt, wo sich Wasserfarmen (Floating Gardens) als Experimentierräume für fluide Landwirtschaft aufspannen. Neue urbane Praktiken und Akteure, wie der Wasserfarmer & der Protein.Wirt, finden hier ihren Raum. Zusammen mit der neuen Agora, die sich als hybride Hülle und mehrdimensionale Stegstruktur über der Agora.Bucht aufspannt, wird hier geforscht und über Nahrung verhandelt. Als demokratische Marktfläche bietet die Agora Platz für vielfältige Nutzungen, MacherFlächen, Experimentierräume und Nahrungslabore.
 

Die hybride Platzfigur im Übergang zur Beusselstraße entwickelt sich zum Schauplatz für das Handeln und Produzierens von Nahrung. Neben der Agora bespielen der neue Tower of Food (als vertikale Nahrungskathedrale) und die Agora-Bühne (Treppe/Rampen-Anlage, welche die bestehende Topografie inszeniert und einen nahtlosen Übergang der Niveaus schafft). An der Schnittstelle zur aufgewerteten und redimensionierten Beusselstraße im Übergang zur neuen Waldfuge, der zweiten Linie des neuen West.Marktes wird der Beussel-Hub ausgebildet, welcher den Anschluss zur S-Bahn Beusselstraße sucht und den Auftakt für die Maker-und Innovationsmeile entlang der Bahntrasse bildet. Die vorhandene Böschungssituation und Pappelreihe dient als Inspiration für die Waldfuge. An der Schnittstelle von hybriden Punkthochhäusern für Ateliers, Maker Labs und Wohnungen mit transparenten und teils aufgeständerten EG-Zonen und dichten Waldsetzungen wird eine urbane und produktive Waldachse herausgearbeitet. Diese Freiraum/Architektur-Kette zieht sich über die Beusselstraße auf die Anlieferstraße, zum Baulager und dem Containerhafen und mündet in die Hafen-Wälder, welche kompakte Klimahaine im stark versiegelten Hafenareal an den Kaiköpfen und auf Potentialflächen im Übergang zum Hub Westhafen schaffen.
Der Sediment.Hub, welcher sich zwischen der Macher-Linie und der Palimpsest Linie aufspannt, bildet das stoffliche Herz des neuen Groß.Marktes aus. Als Hülle und wachsende Struktur werden hier im Baulager und den Wasser-Laboren die verschiedenen Sedimenttypen, wie Wassersedimente und Bau-Stoffe gesammelt, verarbeitet und aufgewertet. Ziel ist es, dass alle anfallenden Bau- und Restmaterialien aus der Konstruktion und des Betriebes des neuen West.Marktes (Aushub, Abriss, Produktion) zirkulär aufgearbeitet und in neue Baustoffe übersetzt werden können. Steganlagen machen in den Wasserlaboren die verschiedenen Wasserprozesse des Flusssystems und die infrastrukturellen Ästhetiken erfahrbar und verwandeln zusammen mit Einrichtungen der Pädagogik und Verwaltung in der Hülle des Baulagers den Sediment.Hub in einen produktiven Hybriden aus Freiraum, Landschaftsprozessen und Infrastrukturen.

Das Nordufer bildet den Abschluss der West.Markt Sequenzen. Raue Wald-Reminszenzen, Patches aus Gehölzen der Weichholzaue bilden hier das neue Ufer im Übergang zur A100 aus. Die Tramlinie und der Radschnellweg wird durch den neuen wilden Nord-Uferpark geführt und verbindet das Nordufer mit dem Wedding bis hin zum Plötzensee und den angrenzenden Landschaftsräumen.

Die dichten Naturkulturen_ metabolische räume und neue ästhetiken
Die Terra Fluida lebt von ihren intensiven landschaftlichen und infrastrukturellen Ästhetiken. Die Naturkulturen an der Schnittstelle von Infrastrukturen und ökologischen Prozessen erzeugen atmosphärisch aufgeladenene Vegetationsmotive und Habitaträume, wie dichte Waldbilder, raue Ufertypologien der Weichholzaue, schwimmende Farmen und erlebbare metabolische Prozesse der Wasser- und Sedimentlandschaften. Der neue West.Markt als (klima-)resiliente und dynamische Stadtstruktur lebt von den neuartigen und hybriden Naturbilder einer Landschaftsarchitektur im Anthropozän.